Nachtwächter

Installation, 2014, Campingplatz Waldsee-Murrhardt

Im August 2014 wohne ich für einige Tage auf einem Campingplatz in der Nähe Stuttgarts in ei­nem weißen Zelt. Es ist nachts von innen beleuchtet und durch die leichte Transparenz ist ein Einblick in die heimelige Privatheit möglich. Die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem wird durchbrochen das Zelt ist gleichzeitig Objekt, Wohnstätte und Schattenspiel in einem. Es wird zur privaten Bühne im öffentlichen Raum.
Tagsüber halte ich mich auf dem Campingplatz auf. Gespräche über Wohnen, Camping und Kunstber bei gemeinsamen Abenden mit der Nachbarschaft sind Bestandteil der Aktion.

 

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Schattenspiel im Zelt

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Schattenspiel im Zelt

Zeichnungen vom Campen

Sabine Fessler realisiert im August 2014 ihr Stipendium „Inside the white tent“ auf einem Campingplatz in der Nähe von Stuttgart. Fesslers Idee ist die Sichtbarmachung von Bewegungen und Abläufen im Zeltinneren, dem Ausloten von Privatem und Öffentlichkeit für die Bewohner auf Campingplätzen. Für das Stipendium näht sie ein Zelt aus weißem Stoff und errichtet es gut sichtbar auf dem Campingplatz. Das Stipendium besteht aus der Übernachtung in diesem durch eine Lampe hell erleuchteten Zelt, aus der Schattenzeichnung ihrer Selbst in einem erleuchteten und stofflich umspannten Raum.Bei Einbruch der Dunkelheit zeigt die Künstlerin zusätzlich für das vor dem Zelt sitzende Publikum eine Performance: Erst ist nur ihre Stimme aus dem Zelt zu hören und je nach Position im Zelt auch ihr Schatten, vormals von ihrem Arm, mit dem sie Gegenstände von Innen an die Zeltwand hält. „Was benötigen wir zum Campen?“ Die Gegenstände wirken grob umrissen und erzeugen je nach Farbe ein buntes Lichtspiel hinter dem weißen Stoff. Es kommen Kleidungsstücke, ein Schirm, Waschutensilien, Obst und Gemüse zum Vorschein. Sind es zu Beginn der Performance noch reale Gegenstände, kommen später aus buntem Papier geschnittene Scherenschnitte zum Einsatz. Es entstehen außergewöhnliche Bilder, beispielsweise ein schnell im Zelt geschnittenes Portrait von Fesslers Großvater und eine Wurst, die durch eine richtige Einschneidetechnik zu einer Palme transformiert werden kann. Die Veränderung von realen, leicht erkennbarer Alltagsgegenstände hin zu freien persönlichen Assoziation geben beim Publikum Anlass für Ideen und Imaginationen. Schon das schlichte weiße Zelt erfährt durch die von Innen erleuchtete Stoffhülle eine Verfremdung, wird zu einem aus sich leuchtendem Objekt, das die ganze Nacht hindurch weit über den Campingplatz gut zu sehen ist. Durch die persönliche Präsenz Fesslers im Zelt, ihren Körperabdruck als Schattenspiel und ihre persönlichen Handlungen belebt sie den temporären Wohnraum Zelt.
Fesslers „white tent“ wird mehr als eine private Wohnstätte, von der akustische und optische Eindrücke nach außen dringen. Mit ihrem weißen Zelt setzt sie eine eindrucksvoll illuminierte Skulptur in die Natur des Campingplatzes und belebt es durch ihre menschliche Präsenz. Ihr „white tent“ wird als eine vormals private Wohnstätte zu einer Kunstintervention im öffentlichen Raum.

Weitere Informationen zur Künstlerinitiative Kunst am Balkon und ihren Projekten unter:
www.kunst-am-balkon.de
Text: Sylvie Hauptvogel

Foto: Anne Schubert